"Pressemitteilung - Neuer Hauptbahnhof - für den Fahrgast
muss noch viel getan werden"
Der neu gestaltete Hauptbahnhof bietet eine erheblich gesteigerte Aufenthaltsqualität. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er seine Funktion als wichtigster Verkehrsknoten der Region weiterhin nicht adäquat erfüllt.
Fahrgäste wollen nicht nur essen und einkaufen, sondern vor allem schnell und problemlos ihr nächstes Verkehrsmittel erreichen. Dies fand jedoch bei der Umgestaltung zu wenig Beachtung:
So müssen eilige Fahrgäste von der U-Bahn zu ihrem Fernzug
weiter Treppen steigen, denn die Rolltreppen sind zu gering dimensioniert
und daher stetig überfüllt.
In umgekehrter Richtung führen Rolltreppe und Aufzug nur zum Zwischengeschoss
der KVB und nicht weiter zum U-Bahnsteig.
Zwischen Eingangshalle und der zentralen Passage zu den DB-Gleisen versperrt der neue Info-Point den Fahrgästen den Weg. Er erscheint als eine Art Wellenbrecher zwischen den sich hier täglich beengt bewegenden Menschenmassen. Der Informations-Punkt war ursprünglich am Standort des früheren Blumenladens geplant, musste jedoch dann einem Café weichen.
Auch die Chance, die Bahnhofshalle und den zentralen Bahnsteigtunnel durch eine Aufwertung des Nordausgangs und des U-Bahnhofs Breslauer Platz zu entlasten, wurde nicht genutzt. Obwohl hier der kürzeste Übergang zwischen U-Bahn und S-Bahn geboten werden kann, fehlen nicht nur jegliche Hinweise auf die nahe U-Bahn-Station Breslauer Platz sondern auch notwendige Service-Einrichtungen und ein Wetterschutz für den kurzen Fußweg durchs Freie. Unter der Verkürzung der nördlichen Überdachung leiden auch die wartenden Fahrgäste auf den beiden dortigen DB-Bahnsteigen. Auch sie dürfen sich bei bestimmten Wetterlagen beregnen lassen.
Es wird offensichtlich, dass das Motiv der Bahn zur Umgestaltung des
Hauptbahnhofs in erster Linie in der kommerziellen Nutzung ihrer Raumressourcen
lag. Hingegen wurde bei Investitionen für die Belange der Fahrgäste
schnell gespart. Stadt und KVB hingegen haben versäumt, die Investitionen
der Bahn durch eigene Baumaßnahmen sinnvoll zu ergänzen.
Und hieran soll sich wohl vorerst auch nichts ändern: Die dringende
Modernisierung der beiden aus der Frühzeit des U-Bahn-Baus stammenden
KVB-Stationen am Hauptbahnhof wird weiterhin um 5-10 Jahre vertagt. Es
liegen nicht einmal Pläne für die Umgestaltung und die zukünftige
Erschließung der beiden Haltestellen vor. Diese Pläne wären
jedoch nötig, um zumindest bei der nächsten Investition, dem
Umbau des Bahnhofsvorplatzes endlich die Belange der Nahverkehrskunden
zu berücksichtigen. Andernfalls bleibt der Hauptbahnhof über
Jahrzehntes echtes kölsches Stückwerk.
Die OB-Kandidaten und -Kandidatinnen können zeigen, dass dies
kein unabwendbares Schicksal ist.
(Volker Kunstmann)
VCD Köln und Umgebung e.V.