Stellungnahme des VCD zum Konzept für den Stadtbahnverkehr

ab 23:00 Uhr

Derzeitiger Stand
Gegen 23:00 Uhr wird der Fahrplantakt auf nahezu allen Stadtahnlinien auf 30 Minuten gestreckt. Da aber auf fast allen Stadtbahn-Hauptachsen zwei Linien verkehren, gibt es auf diesen Hauptachsen einen 15-Minuten-Takt bis gegen 1:00 Uhr. Der VCD hat es sehr begrüßt, dass in den vergangenen Jahren das Zusammenspiel der Linien so verbes-sert wurde, dass sich tatsächlich immer zwei Linien zu einem echten 15-Takt ergänzen (z.B. die Linien 12 und 15 zwischen Barbarossaplatz und Weidepesch über Ringe und Nippes).
Durch den 15-Minuten-Takt auf den Hauptachsen funktionieren derzeit die meisten we-sentlichen Umsteigevorgänge für Relationen zwischen Stadtkern und Vororten bzw. auch zwischen den inneren Vororten mit kurzer Wartezeit.

Zur Vorlage
Laut Vorlage bedingt das Rendez-Vous-Konzept, dass die geschilderten 15-Takte aus zwei Linien den Anschlüssen „geopfert“ werden sollen. Stattdessen sollen auf Abschnitten mit zwei Linien diese in Zukunft direkt hintereinander herfahren.
Damit würden zwar absolut gesehen genauso viele Stadtbahnen wie vorher fahren, doch bedeutet der Schritt vom 15-Minuten-Takt auf einen z.B. 1/29-Takt für die Kunden eine Angebotshalbierung auf den Hauptachsen.

Das Vorziehen des Taktsprungs vom 15- auf den 30-Minuten-Takt auf den Linien 3, 4, 16 und 18 stellt außerdem eine wesentliche Leistungskürzung dar.

Bisher kann das Stadtbahnnetz abends auf den Hauptachsen dank 15-Minuten-Takt aus zwei Linien ohne Fahrplankenntnis genutzt werden, da eben maximal 15 Minuten gewartet werden muss. Bei einer Umstellung auf den 30-Minuten-Takt wäre dies nicht mehr mög-lich.
Ebenso kann das Stadtbahnnetz derzeit auch nach 23.00 Uhr im inneren Stadtbereich passable Anschlüsse zum Eisenbahnverkehr herstellen (mindestens 15-Takt ab dem Um-steigeknoten Hauptbahnhof, Hansaring und Bahnhof Ehrenfeld, Mülheim, Deutz. 
Beides ist nach der Mitteilung so nicht mehr möglich. 
Welche Achsen sind betroffen?
Derzeit wird auf folgenden Stadtbahnstrecken nach 23:00 Uhr mindestens ein 15-Minuten-Takt hergestellt:
-    Neumarkt – Deutz – Kalk (Linie 1+9)
-    Deutz – Neumarkt – Ehrenfeld – Bickendorf (Linie 3+4, teilweise dichterer Takt, teilweise 10/20-Takt)
-    Barbarossaplatz – Ringe – Ebertplatz – Nippes – Weidenpesch (Linie 12+15)
-    Klettenberg – Dom/Hbf – Mülheim – Buchheim (Linie 18, vor Tunnelsperrung)
Dies sind alle Stadtbahnhauptachsen bzw. Stammstrecken mit Ausnahme der Linie 5 und der Gürtelbahn.

Verbesserungen
Verbesserungen würden durch ein Rendez-Vous-System im 30-Minuten-Takt vor allem für Verkehrsbeziehungen zwischen den äußeren Vororten gewonnen, Relationen à la Ost-heim – Bocklemünd, Sülz – Höhenhaus, Longerich – Porz u.ä.

Fragen zum Konzept
-    Auf welchen Achsen erfolgt eine Leistungsreduzierung durch Wegfall von Fahrten?
-    Auf welchen Achsen erfolgt eine Leistungsreduzierung durch Modifizierung des 15-Minuten-Taktes in zwei direkt hintereinander herfahrende Linien?
-    Wie sehen in Zukunft die Anschlüsse zum S-Bahn-Netz nach 23:00 Uhr aus?
-    Was spricht dagegen, ein Anschlusskonzept zu entwerfen, bei dem der 15-Minuten-Takt aus Überlagerung von zwei Linien auf allen Hauptachsen beibehalten bzw. op-timiert wird und bei dem an Knoten à la Neumarkt und Ebertplatz dann alle 15 Mi-nuten Anschlüsse zwischen allen Hauptachsen, aber wechselnden Außenästen an-geboten werden?
-    Lässt sich der 15-Takt durch Koordinierung von Linien z.B. auf der Achse Deutzer Freiheit – Aachener Straße/Gürtel ausbauen?
-    Wie wurde die Zahl von 2.4000 Begünstigten und 800 Benachteiligten ermittelt? Dem VCD erscheinen diese Zahlen als unplausibel.

Zusammenfassung
Der Stadtbahnverkehr wird abends in erheblichem Maße von Bewohnern der Innen-stadt und der inneren Vororte wie Ehrenfeld, Nippes, Kalk u.ä. benutzt. Alle diese Be-nutzer hätten wesentliche Einschnitte hinzunehmen: Nämlich einen ÖPNV, der nicht mehr nach freiem Gusto mit zufälligem Gang zur Haltestelle, sondern nur noch mit Fahrplan benutzt werden kann.
Wesentliche Einschnitte in den Spätverkehr stehen auch dem Trend entgegen, dass das Fahrgastaufkommen im Spätverkehr in den letzten Jahren eine stark steigende Tendenz aufweist.

Genaue Angaben bedingen eine genaue Kenntnis des zukünftig angestrebten Fahr-plans. Der VCD betrachtet das neue Konzept für den Stadtbahnverkehr ab 23:00 Uhr als dringend kritisch zu hinterfragen und ggf. zu modifizieren. Nach den zur Verfügung stehenden Informationen aus der Vorlage wird das Konzept vom VCD abgelehnt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christoph Groneck
 

03.06.2007


VCD Köln und Umgebung e.V.