VCD zur Neugestaltung Breslauer Platz

Nach Abschluss der Bauarbeiten zur Nord-Süd-U-Bahn besteht die Chance, den nördlich des Hauptbahnhofs ein Schattendasein fristenden Breslauer Platz neu zu gestalten und aufzuwerten. Ziel sollte hierbei sein, einerseits die vielfältige verkehrliche Funktion und andererseits die städtebauliche Gestaltung und Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Aus Sicht des Verkehrsclubs Deutschland Kreisverband Köln und Umgebung sind hierbei vorrangig folgende Ziele zu verfolgen:

Allgemein:
Möglichst alle Verkehrsträger (und nicht nur das Kfz) sollten eine optimale Anbindung an den Hauptbahnhof erhalten. Hierunter ist vor allem die Herstellung von kurzen, hindernisfreien Wegen beim Umstieg zwischen den Verkehrsträgern und der Bahn zu verstehen. Konkret bedeutet dies in unmittelbarer Sichtbeziehung und kurzer Entfernung zu einem der beiden Bahnhofseingänge ausreichend große Kurzzeit-Haltezonen jeweils für Busse, Taxis und für private Kfz (Kiss and Ride) anzubieten.
Hierdurch sollte möglichst vielen Reisenden das Aussteigen, das Ausladen von Gepäck und ein schnelles Erreichen der Bahnsteige ermöglicht werden. Ein längerer Aufenthalt von Fahrzeugen ist daher im unmittelbaren Umfeld der Bahnhofseingänge nicht vorzusehen.
Umgekehrt muss für die mit dem Zug ankommenden ortsunkundigen Reisenden beim Verlassen des nördlichen Hauptausgangs das für die Fortsetzung der Reise notwendige Verkehrsmittel direkt sichtbar sein (U-Bahn-Eingang, Bushaltestelle, Taxistand, Kurzparkzone für Pkw bzw. Eingang Tiefgarage, Halteplatz für Leihfahrräder, Fußwege ins Kuniberts- und Eigelsteinviertel). Diese für eine problemlose Orientierung notwendige Übersichtlichkeit wird durch die Anlage einer größeren unverstellten Platzfläche vor dem Hauptausgang erleichtert.
Der wichtigste Zielpunkt für den Radverkehr, die Fahrradstation, sollte bei allen Planungen besonders berücksichtigt werden und es sollte auf eine klare Führung, deutliche Sichtbarkeit und zügige Erreichbarkeit geachtet werden.

Bus und Taxi
Die südliche Johannisstraße sollte für den MIV gesperrt bleiben, um eine problemlose Abwick-lung des Taxi- und Busverkehrs in diesem östlichen Bereich des Breslauer Platzes zu ermöglichen. Unmittelbar am Eingang zur A-Passage des Hauptbahnhofs ist eine Ausstiegzone für Taxis und Busse einzurichten. Die Warte- und Einstiegzone sollte für beide Verkehrsträger direkt
dahinter auf dem heutigen Busbahnhof angelegt werden.

Pkw
Die Ausstiegzone für PKW (Kiss and Ride) sollte an der Maximinenstraße angeordnet werden, z.B. vor dem nördlichen Eingang zur B-Passage und dem dortigen Zugang zur U-Bahn.
Eine städtebauliche Ausformung, vergleichbar eines größeren Kreisverkehrs, ist sinnvoll, da sie eine Weiterfahrt der Pkw in beide Fahrtrichtungen der Maximinenstraße ermöglicht und sich eine Behinderung des Ausstiegs durch den parallelen Radverkehr vermeiden lässt.
Für einen längeren Aufenthalt sollte von Osten her eine gemeinsame Zufahrt zum Parkhaus unter dem Busbahnhof und zu einer südlich des Busbahnhofs anzulegenden Kurzparkzone hergestellt werden. Die Ebenen des Parkhauses sind über einen Aufzug mit der Platzfläche zu verbinden. Ziel ist es, in jedem Fall das dortige Parkhaus stärker für die Verknüpfung von Pkw-Verkehr und Hauptbahnhof zu nutzen.

Fahrrad
Radfahrern, die heute meist von Norden über den Eigelstein und die nördliche Johannisstraße kommen (zukünftig hoffentlich auch über südliche Johannisstraße und über die Hohenzollernbrücke), sind auf Ihrem Weg zum jeweils nächstgelegenen Bahnhofseingang Abstellplätze in ausreichender Anzahl anzubieten. (Abstellplätze, die ein Zurückgehen erfordern, werden nicht angenommen.) Ferner sollte für ein längeres Fahrrad-Parken die Fahrradstation gut erreichbar und leicht auffindbar sein
Am Breslauer Platz kreuzen sich ferner mehrere wichtige innerstädtische Radwegachsen. Dies ist bei der Gestaltung der Platzanlage zu berücksichtigen. Es handelt sich um die Verbindung von/nach Norden über den Eigelstein und über die Johannisstraße weiter von/nach Süden durch die Unterführung Johannisstraße und über Goldgasse - Rheinuferweg.
Ferner ist eine Verbindung von/nach Deutz über die Nordseite der Hohenzollernbrücke herzustellen. Der Niveauunterschied zwischen Breslauer Platz und Hohenzollernbrücke sollte zukünftig fahrradgerecht durch eine Rampe überwunden werden, die im Bereich der Fahrradstation beginnt (keine Berg- und Talfahrt über die Goldgasse). Diese zusätzliche innenstädtische Ost-West-Verbindung für Radfahrer ist als Alternative zur konfliktreichen Verbindung über Roncalliplatz - Südseite Hohenzollernbrücke dringend erforderlich. (siehe hierzu das VCD-Papier zur innerstädtischen Ost-West-Verbindungen z.B. in „Rheinschiene" Nr. 35 unter www.vcd-koeln.de).
Die Radfahrer sind im Bereich des Breslauer Platzes auf eigenen Wegen zu führen, unnötige Querungen des Kfz-Verkehrs und Umwege sind zu vermeiden. Es empfiehlt sich daher ein Zweirichtungsradweg auf der Südseite der Maximinenstraße und der Goldgasse. Der Abzweig nach Süden zur Rampe der Hohenzollernbrücke, zur Fahrradstation und weiter zum Martinsviertel sollte über die Johannisstraße geführt werden, die in diesem Bereich für den MIV zu sperren ist (Ausnahme Lieferverkehr).
Die o. g. genannten wichtigen innerstädtischen Radweg-Verbindungen sind auszuschildern.

Fußgänger
Fußgängern, die z.B. vom Eigelstein und von den Hotels im Kunibertsviertel kommen, sind sichere, direkte und angenehm gestaltete Fußwege zu den beiden Bahnhofseingängen zu ermöglichen. An den Überwegen sollte der Fußgänger gleichberechtigt Berücksichtigung finden, z.B. von der nördlichen Johannisstraße kommend zur Platzfläche über eine Fußgängerfurt unmittelbar westlich der dortigen Kreuzung bzw. des Kreisverkehrs.

Städtebau/Bürgermitwirkung
Die städtebauliche Anbindung des Breslauer Platzes, besonders zum Eigelstein, zum Rheinufer und durch die Unterführung Johannisstraße zum Martinsviertel, ist erheblich zu verbessern.
Die zuvor aufgeführten Nutzungsanforderungen sind in Einklang zu bringen mit einer qualitätvollen Gestaltung.
Die Pläne für die Neugestaltung des Breslauer Platz sind rechtzeitig vor ihrer Verabschiedung in der Öffentlichkeit vorzustellen und zu diskutieren (Beteiligung von Verbänden und Initiativen, öffentliche Veranstaltungen).
 
 
i.A. Kay Queetz

07.09.2006


VCD Köln und Umgebung e.V.