VCD protestiert gegen Angebotseinschränkungen im KVB-Spätverkehr

Pressemitteilung
Mit dem neuen Fahrplan hat die KVB in den späten Abendstunden einen Rendezvous-Verkehr eingeführt und damit die Anschlüsse zwischen den Stadtbahnlinien verbessert. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Maßnahme mit einer erheblichen Ausdünnung der Stadtbahnlinien 3, 4, 7, 16 und 18 einherging. Der Beginn des 30-Minutentakts wurde um teilweise über eine Stunde vorverlegt. Zwischen 23 und 0 Uhr entfielen rund 25% aller Fahrten.

„Der neue Rendezvous-Verkehr am späten Abend dient als Trostpflaster für erhebliche Angebotseinschränkungen auf den stark nachgefragten Hauptstrecken." Nun wartet der Kunde zwar nicht am Umsteigepunkt, aber dafür bis zu 30 Minuten an der Einstiegshaltestelle und nochmals bis zu 9 Minuten in der Bahn an den diversen Rendezvous-Punkten, an denen Anschlüsse abgewartet werden. „Die Linie 18 von Mülheim nach Klettenberg zum Beispiel steht nun in der Innenstadt genauso lange wie sie fährt.", so Christoph Groneck vom VCD-Vorstand.

Besonders drastische Nachteile hat der neue Fahrplan für die Bewohner von Kalk. Zwar verkehrten die Linien 1 und 9 bereits auch vor der Fahrplanumstellung ab 23 Uhr nur jede halbe Stunde, aber fuhren bisher optimal zeitversetzt und stellten damit zwischen Neumarkt und Kalk Kapelle zusammen einen Viertelstundentakt her. Nun fahren beide Linien direkt hintereinander her und bilden einen Konvoi im Halbstundentakt. So stehen die Fahrgäste von und nach Kalk bis zu 30 Minuten, wo sie bisher einen sehr guten Viertelstundentakt hatten. Gleichzeitig wird auch der ICE-Bahnhof und Regionalverkehrsknoten Deutz ab 23.00 Uhr von den Ost-West-Linien nur noch alle 30 Minuten angefahren! Auf der Luxemburger Straße und anderen Hauptstrecken der Stadtbahn wurde jede zweite Fahrt ersatzlos gestrichen und damit das Angebot ebenfalls auf einen Halbstundentakt halbiert.

Vom neuen Fahrplan profitieren allein die Wenigen, die zur späten Stunde von einem äußeren Vorort in einen anderen gelangen möchten. Die große Mehrheit hingegen, die nach 23 Uhr im Stadtzentrum oder in den inneren Stadteilen aufbrechen oder einen Zug ins Umland erreichen müssen, haben dagegen teilweise erhebliche Nachteile.

Allein schon die Tatsache, dass sich viele Veranstaltungsorte in den innenstadtnahen Stadtteilen wie Kalk (z.B. Halle Kalk), Klettenberg (z.B. Weißhaus-Kino) und Ehrenfeld (Live-Music-Hall, Kneipenszene) befinden, macht deutlich, dass auf den dortigen Stadtbahnstrecken ein dichter Takt bis 1.00 Uhr angeboten werden muss. Ein 30-Minuten-Takt schon nach 23 Uhr, der selbst für innerstädtische Fahrten intensive Fahrplan-Kenntnisse erfordert, wird sicherlich dem Kölner Anspruch einer Metropole und Event-Stadt nicht gerecht.

"Warum die KVB zu einer Zeit ihr Angebot einschränkt, bei dem sie wachsende Fahrgastzahlen zu verzeichnen hat, ist nicht nachvollziehbar", so Roland Schüler vom Vorstand des VCD. „Gerade im Freizeitverkehr in den Abend- und Nachtstunden hat die KVB besonders junge Fahrgäste erreicht und gewonnen. Das ist ein Zukunftsmarkt!“

Der VCD Köln hat einen Vergleich des neuen Fahrplans zum Fahrplanstand 2005 (al-so vor der Sperrung des Stadtbahntunnels) erstellt. Die wesentlichen Kürzungen sind danach folgende (nur stadtauswärts betrachtet, Gegenrichtung teilweise entsprechend):

•    Linie 1+9: Angebotshalbierung nach Bahnhof Deutz und Kalk zwischen 23 und 1 Uhr
•    Linie 18: Angebotshalbierung nach Klettenberg zwischen 23 und 1 Uhr
•    Linie 16: Angebotshalbierung nach Niehl Sebastianstraße zwischen 23 und 0 Uhr
•    Linie 16: Angebotshalbierung nach Rodenkirchen zwischen 23 und 0 Uhr
•    Linie 4: Angebotshalbierung nach Schlebusch über Mülheim zwischen 23 und 0 Uhr
•    Linie 3: Angebotshalbierung nach Holweide über Buchforst zwischen 23 und 0 Uhr
(alle nur noch Halbstunden- statt Viertelstundentakt)
•    Linie 7: Wechsel vom Viertel- auf Halbstundentakt nach Porz 30 Minuten früher
•    Linie 3: Wechsel vom Viertel- auf Halbstundentakt nach Mengenich 30 Minuten früher
•    Linie 3+4: Wechsel vom 7,5-Minuten-Takt auf einen angenäherten 15-Minuten-Takt von Ehrenfeld nach Deutz über Neumarkt 60 Minuten früher, in der Gegenrichtung 30 Minuten früher
•    Lange Standzeiten auf vielen Linien, z.B. 7 Minuten auf den Linien 1 und 9 am Neu-markt, 9 Minuten auf der Linie 18 zwischen Zoo und Luxemburger Straße


Kay Queetz

17.08.2007

VCD Köln und Umgebung e.V.