KVB fährt 40.000 zu Robbie Williams

„Ist ja nur ein Konzert“ – so scheinen einige Verantwortliche in der Stadt gedacht haben. Der Verkehrsabwicklung zur Fußball-Weltmeisterschaft wurde von Verwaltung und Medien eine höhere Bedeutung eingeräumt als die der beiden Robbie Williams Konzerte.
Gab es ein Faltblatt mit den Anfahrtsmöglichkeiten zum Stadion von der Stadt herausgegeben? Zur WM Ja, zu Robbie NEIN.
Die KVB hatten auf Ihrer Internetseite einen Anfahrtsplan und einem Umgebungsplans des Konzertortes.  Vorbildlich! (und einige Fahrgäste hatten ihn auch ausgedruckt dabei)
Gab es frühzeitige Informationen seitens der Stadt? Nein. Auf den städtischen Verkehrsinfosystem war zum Beispiel am Dienstag Nachmittag starker Verkehr an der Messe angekündigt.
Nur im Internet gab es gute Informationen.
Von den Medien: Erst am Konzerttag und dann relativ klein Hinweise auf An- und Abreise.
Von der KVB: Ja, auf deren Internetseite konnte frühzeitig die Information „Mit über 50 zusätzlichen Bussen und Bahnen zum Robbie Williams Konzert“ angeschaut werden. An den Tagen Tage selber wurden Durchsagen, Anzeigen und Informationen verbreitet. Jedes Fahrzeug der Linie 1 und 7 hatte eine Hinweisschild am Frontfenster mit Open Air Konzert. Und alle E-Wagen wurden mit „R. Williams“ angezeigt.
Von der DB: Nein, bis Montag 07.08. 2006 gab es keine Informationen. Weder gab es Fahrplanaushänge über die Sonderzüge der S12 und S 13 noch war im Internet etwas zu finden. Ab Montag Mittag konnte dann auf der VRS-Internetseite die Informationen über die S-Bahn in Erfahrung gebracht werden. Zu spät!
Am Hauptbahnhof und in Köln-Deutz gab es keine Hinweisschilder auf die Fahrtmöglichkeit mit der S-Bahn nach Köln-West. Während der WM war der entsprechende Bahnsteig gut ausgeschildert. So kann aus der Haltestelle Köln-Weiden-West nichts werden.  .  
Entsprechend war die geringe Nutzung der S-Bahnen.  Sie haben nicht zur Entlastung der KVB beigetragen. Die KVB war auf sich gestellt.  Mit der doppelten Last wie bei den WM Spielen. Und was für einen Aufwand hatte da die Stadt betrieben.
Waren es bei der WM im Schnitt 20.000 Fahrgäste, so waren es an jedem Robbie Williams Abend gut 40.000 Fahrgäste. „Ist ja nur ein Konzert“ Eine reibungslose An- und Abreise ist hier doppelt soviel wert, denn diese Gäste erhalten ein Bild von der Fähigkeit der Stadt.

Konnte die KVB fahren: JA
In der Stadt wurde es ihr ermöglicht, dass zwischen Neumarkt und Rudolfplatz die freie Fahrt gab und die Abbiegespuren waren für den Autoverkehr gesperrt (Leider auch die Überwege für die FußgängerInnen) und die Ampeln abgeschaltet. Das ist wohl jetzt Kölner Standard.
Doch am ersten Abend hat die Polizei die KVB am Stadion allein gelassen. Während es bei der WM nur so von Polizei wimmelte, musste sich nun die KVB die Ausfahrt über die Aachener Straße und den Militärring selber freischaufeln. Auch die ausfahrenden Autos vom P+R-Parkhaus blockierten die Gleise. Am zweiten Abend war Polizei im Einsatz. 

Haltestelle Stüttgenhofweg
Obwohl diese Haltestelle der Linie 7 zu den Jahnwiesen günstiger liegt als die Stadionhaltestelle wurde sie trotz Werbung, Information und Ausschilderung nicht gut angenommen. Am zweiten Konzertabend konnte der VCD hier die Abwicklung beobachten: 
1.    Mehr Fahrgäste Richtung Frechen: Es kam ein großer Schwung von Fahrgästen, die nach Haus Vorst und Frechen wollten. Darauf war die KVB nicht eingestellt. Es dauerte sehr lange bis der erste Verstärkerzug vom Betriebshof eintraf. Der Bahnsteig war überfüllt und die Leute stauten sich auf dem Zugangsweg und blockierten auch den Überweg zur Haltestelle Richtung Innenstadt. Kurzzeitig kam es zu einer Überlastung. Zusammen waren es dann wohl vier volle Züge nach Frechen.
2.    Fehlende Ausschilderung:  Da weder am Zugang zur Haltestelle noch an der Haltestelle ein Hinweis war, wohin die Bahnen fahren (Richtung Zentrum oder Richtung Frechen) gab es ein allgemeines Durcheinander. Manchen standen am falschen Bahnsteig, andere blockierten durch ihr Suchen den Überweg, wiederum andere meinten, der volle Bahnsteig sei der zur Innenstadt.
3.    Die geschlossene Schranke:  Sie hat doch Respekt und brachte den Menschenstrom immer wieder zum Erliegen. Erst die freundlichen Hinweise „ Die Schranke öffnet sich nur für landwirtschaftlichen Verkehr und nicht für Robbie Wiliams Fans. In Richtung Innenstadt bitte drunter durchkriechen“ brachte die Menschen in Bewegung
4.    In Richtung Innenstadt ging es zügig voran. Hier waren ausreichend Fahrzeuge vorhandnen. Die meisten E-Wagen fuhren über Gürtel zum Dom/Hbf und die Planzüge der Linie 7 nach Neumarkt.  Hier waren noch gut Kapazitäten frei.
5.    Der P+R-Platz Haus Vorst war endlich mal gut belegt!
6.    Der Mitarbeiter namens Rolf hatte vor Ort alles im Griff und eine gute Koordination.

Stadion Haltestelle Richtung Weiden West
Auch hier das gleiche Bild wie zur WM: Überschaubare Zahl von Fahrgästen Richtung Weiden und  zum P+R-Platz. Nur wenige zur S-Bahn. Der P+R-Platz war schon früh voll.

Stadion Haltestelle Richtung  Innenstadt
Der gegenüberliegende Bahnsteig war lange gut voll und die Fans reihten sich brav in die Schlange ein und warteten geduldig auf die Bahnen.
Für beide Bahnsteige gilt – wie auch für Stüttgenhof – die elektronische Anzeigentafel zeigt Bahnen mit langen Wartezeiten an, obwohl die nächste Bahn schon auf dem Weg war.
Hier wurde während der WM – nach VCD Hinweisen – die Minutenanzeige ausgeschaltet.
Die KVB setzen zusätzlich zur Straßenbahn auch Busse ein. Deren  Abwicklung war etwas provisorisch – ohne klaren Ort, ohne Ausschilderung, ohne erkennbare Systematik.

Innerhalb einer guten Stunde (0.30 bei Konzertende 23.00 Uhr) waren die Fahrgäste vom Stadion in die Innenstadt gebracht worden. Eine gute Leistung der KVB. So konnten die Fahrgäste in der Innenstadt alle Bahn- und Busanschlüsse erreichen und auch am Bahnhof noch viele Züge.
Die Stimmung bei den Fahrgästen war ausgesprochen gut. Mit Geduld, Disziplin und Spass haben die Fahrgäste reagiert. Zwei im großen und ganzen gelungene Tage für die KVB!   
Mit freundlichen Grüßen

Roland Schüler   V C D Köln und Umgebung e.V.

PS.  Ob der Nachtverkehr zwischen Stadion und Deutz bis 4.00 Uhr im 2,5 Minuten Takt ge-fahren wurde, entzieht sich meiner Beobachtung..  

10.08.2006


VCD Köln und Umgebung e.V.