Anregungen für eine rot/grüne Verkehrspolitik für Köln


Dieses Papier erhalten die Fraktionsvorsitzenden und die verkehrspolitischen
SprecherInnen von SPD und Bündnis 90/Grüne

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine rot-grün bestimmte Mehrheit im Stadtrat bietet die Chance für eine zukunftsorientierte nachhaltige Verkehrspolitik. Die Qualität des städtischen Raums in Köln leidet besonders unter den Platzansprüchen und den Immissionen des Autoverkehrs. Den Belangen der Verkehrsmittel des Umweltverbundes, Fußgängern, Radfahrern und ÖPNV, ist daher zukünftig ein stärkeres Gewicht zu geben.
Der VCD Köln hat im Folgenden die aus seiner Sicht wesentlichen Punkte für eine Verkehrspolitik in den nächsten vier Jahren zusammengefasst.

In jüngster Zeit noch mit anderen Mehrheiten beschlossene Verkehrsprojekte sollten auf den Prüfstand.  Es sollten hierbei insbesondere folgende Änderungen beschlossen werden:

1. Korrektur des Beschlusses der Busführung Linie 106 (Weder für die Fahrgäste aus dem Kölner Süden noch vom Rheinauhafen her stellt der Heumarkt ein Fahrtziel dar. Die betroffenen Fahrgäste sollten vielmehr ohne Umsteigen Neumarkt bzw. Hauptbahnhof erreichen können.)
2. sofortige Aufhebung der Parkplätze am Gürzenich, Wiederherstellung stadträumlicher Qualitäten und des Aufenthaltsraums für Fußgänger
3. Kein großdimensionierter Ausbau innerstädtischer Straßen wie Alte Poststraße, Mathias-Brüggen-Str, Rheinuferstraße, Gürtel oder bei den im Rahmenplanungsgebiet Braunsfeld/Ehrenfeld und in Marsdorf vorgesehenen Projekten.
4. In Folge des Baus der beschlossenen Tiefgarage Neumarkt Kulturzentrum mit 2000 Parkplätzen: Schaffung von Flächen für Fußgänger und Radfahrer durch den Wegfall der gleichen Anzahl von P-Plätzen in der innerstädtischen Umgebung.
5. Bau auch der beiden nördlichen Fußgängerzuwege zu den Bahnsteigen der Haltestelle Zülpicher Platz zeitgleich mit den übrigen beschlossenen Bau-maßnahmen.
6. Neues Konzept für die ÖPNV-Erschließung während der Sperrung der
 U-Bahn zwischen Breslauer Platz / Dom/Hbf: zwei Linien zum Hbf jeweils vom Ebertplatz und Neumarkt, eine vom Friesenplatz, Verlängerung der Bus-Linien 134 und 148 bis zum Breslauer Platz.
7. Neuplanung für den Ottoplatz in Deutz:
- Reduzierung der Verkehrsfläche (z.B. der Breite des Auenwegs)
- Integration der Radrouten / Velorouten durch Deutz und zur Fahrradsstation Köln-Deutz
- mehr Flächen für den Fußverkehr
- Anbindung von Alt-Deutz an den Bahnhof und den Rheingarten

Die neue Mehrheit sollte sich dringender verkehrspolitischer Themen annehmen, die von der alten Mehrheit immer wieder vertagt wurde:
1. Realisierung des VCD-Buskonzepts für den Kölner Norden.
2. Einrichtung der stark nachgefragten Buslinie auf der Inneren Kanalstraße /  Universitätsstraße von Ehrenfeld zur Universität (Verlängerung der Linie 142) und weiter über Universitätsstraße und Pohligstraße in den Kölner Süden (Marktstraße) als  dringend benötigte ÖPNV-Ringverbindung.
3. Qualifizierung des Busnetzes analog der Metrobussysteme Hamburg, München.
4. Anschaffung umweltfreundlich angetriebener Busse für die KVB.
5. Verbesserung der Ampelschaltungen für Bahn und Bus (z.B. Ost-West-Achse, Ringe südlich Zülpicher Platz).
6. Modifizierung des Rechnergesteuerten Betriebssystems im Sinne einer direkten Bevorrechtigung des ÖPNV, der Fahrer holt sich per Knopfdruck eine kurze Grünphase. Berücksichtigung der Belange von Fußgängern und Radfahrern.
7. Bau der geplanten oberirdischen Fortsetzung der Nord-Süd-U-Bahn über die Bonner Straße bis zum Verteilerkreis und damit Beibehaltung der direkten Anbindung der südlichen Stadtteile an die Innenstadt.
8. Fahrgastfreundliche Umgestaltung wichtiger ÖPNV-Knoten (nach Zülpicher Platz sind dringend Neusser Straße/Gürtel und Dasselstraße/Südbahnhof, weiter Ebertplatz, Barbarossaplatz und Venloer Straße/Gürtel(Bhf Ehrenfeld))
9. Vorbereitung des weiteren Ausbaus des Schienennetzes v.a.:
- Verlängerung der Stadtbahn in Mengenich ab Ollenhauerring nach Norden
- Verlängerung der Stadtbahn ab Zündorf nach Süden
- Verlängerung der Gürtelstrecke im Rechtsrheinischen über die Frankfurter. Str.
- Verlängerung der Gürtelstrecke im Süden bis zum Rhein (Ringbahn)
- Erschließung Neubrück
- Aachener Straße- Vogelsang über HGK
10. Unterstützung des dringenden Projekts eines Ausbaus des westlichen innerstädtischen Eisenbahnrings(S-Bahn-Westring).
11. weitere Umsetzung des VCD-Konzepts zur besseren Fahrgastorientierung im Stadtbahnverkehr.
12. Umsetzung der VCD-Thesen zum Fahrradverkehr in der Innenstadt.
13. Umsetzung der VCD-Konzepte für die innerstädtischen Ost-West- und
 Nord-Süd-Verbindungen für Radfahrer, z.B. Bau einer Fahrradrampe vom Breslauer Platz auf die Nordseite der Hohenzollernbrücke.
14. Verbesserung der Fahrrad-Anbindung von Klettenberg und Sülz an die In-nenstadt.
15. Wiedereröffnung des gesperrten Fuß-/Radwegs auf der Südbrücke.
16. Berücksichtigung von Flächen für Fußgänger und Radfahrer bei der
 Wiederherstellung des Straßenraums nach Abschluss der obertägigen Baumaßnahmen zur Nord-Süd-U-Bahn und anderer Projekte.
17. Bau weiterer Fahrradabstellanlagen (500.000 Euro Programm).
18. Ausschilderung der Velorouten (Abrufung der Landesförderung).
19. Nutzung des Millionenprogramms zur Erneuerung der Ampeln für eine fußgänger- und fahrradfreundlichere Schaltung
 (z.B. Rheinuferstraße, Ost-West-Achse, Ringe, Barbarossaplatz),
 Abschaffung des „Grün“-Anforderungszwangs für Fußgänger und Radfahrer (gelbe Duckknöpfe).
20. Vereinfachung der Situation für Fußgänger beim Queren am Heumarkt.
21. Stellplatzreduzierungsradius um Haltestellen von 300 auf 600 Meter erweitern.
22. Ferner sollten zukünftig grundsätzlich neu geschaffene Flächen für den Kfz-Verkehr (Ausbau von Straßen und Stellplätzen) durch den Wegfall entsprechender Flächen an einem anderen Ort kompensiert werden.
23. Beachtung städtebaulicher Belange bei Verkehrsprojekten.
Verbesserung bei bestehenden Anlagen, Bsp.: Rasengleise auf dem Ring(Zülpicher Platz- Barbarossaplatz), Salierring, Aachener Straße (Melaten und Stadion).

In Köln sollte sich eine neue Planungskultur entwickeln. Öffentlichkeit und Betroffene sollten zukünftig frühzeitig in Entscheidungsprozesse
eingebunden werden:
1. Komplexere Einzelfragen sollten über das Instrumentarium eines Runden Tischs gelöst werden. Die Einrichtung von Runden Tischen schlägt der VCD z.B. für folgende teilweise bereits o.g. Themen vor:
- Südbrücke (gesperrter Fuß/Radweg)
- Bahnsteigaufgang Dasselstraße/Bahnhof Süd
- Neusser Straße/Gürtel - Zugänge und Aufzüge
- Radfahren in der Innenstadt (VCD-Konzept - Runder Tisch existiert)
- Fahrradabstellanlagen
- Straßenraumgestaltung nach Abschluss der U-Bahn-Bauarbeiten (z.B. Gestaltung Breslauer Platz unter Berücksichtigung Bus-, Rad-, Fußgän-gerverkehr und städtebaulicher Qualität)
2. Einführung von Moderations-/Mediationsverfahren bei Planung von Verkehrsprojekten.
3. Masterplan Verkehr unter Beteiligung der Bevölkerung.
 

Mit freundlichen Grüßen                                                                                    20.01.2006
 
 

Roland Schüler
V C D Köln und Umgebung e.V.