Der Kreisverband Köln und Umgebung des Verkehrsclubs Deutschland,
VCD, erhebt hiermit Einwände gegen das städtebauliche Planungskonzept.
Wiederum beklagen wir die stark eingeschränkte Form der Bürgerbeteiligung.
Sie kann zwar formal rechtens sein, aber sie ist bürgerunfreundlich
und hemmt eine Beteiligung der BürgerInnen. Zum einem wird der Plan
nur für eine Woche zu bürgerunfreundlichen Zugangs-zeiten im
Bezirksrathaus Ehrenfeld ausgelegt. So war es mir nicht möglich zu
den Zeiten von 8.00 – 12.00 und Mo-Do auch 14.00 – 16.00 Uhr nach Ehrenfeld
zu kommen, da ich dienstlich in Düsseldorf arbeitete. Mindenstens
ein Abendtermin muss für eine Bürgerbeteiligung, die ihren Namen
verdient, möglich sein. Eine Woche ist schon arg knapp, aber die Einwendungsfrist
um die Pfingstfeiertage zu legen, grenzt doch an Verhöhnung der BürgerInnen.
Die Verwaltung hat Feiertag, aber der Bürger, die Bürgerin darf
arbeiten. Somit ist eine effektive Einwendungszeit doch massiv beschnitten.
Ich habe die Unterlagen mit in den Pfingstkurzurlaub genommen.
Weiterhin haben Bürgerinnen und Bürger in den benachbarten
Stadtteilen von Müngersdorf und Braunsfeld überhaupt keine Informationen
über die Bürgerbeteiligung erhalten. Zwar sind sie vom Projekt
betroffen, aber das Wissen um die Pläne wurde in der Presse oder durch
andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit ihnen nicht nahegebracht.
Nur die zufällig zu findende öffentliche Bekanntmachung hat die
BürgerInnen informiert.
Aus den uns vorliegenden Unterlagen „Beschluss über die Einleitung
eines Bebauungsplanverfahrens“, die uns freundlicherweise und zur Arbeitserleichterung
in Kopie von den GRÜNEN Ehrenfeld zur Verfügung gestellt wurden,
kann eine ordentliche Betrachtung des Verkehrsaufkommens nicht gemacht
werden. Es fehlen konkrete Aussagen über die Anzahl der neu
zu schaffenden Arbeitsplätzen. Erst im Zusatzschreiben des Investors
wird die Zahl von 500 bis 600 Arbeitsplätzen genannt.
Wir bezweifeln sehr stark, dass das sich an den Gilrlitzweg anschließende
Straßennetz den Autoverkehr ohne weiteres aufnehmen kann. Die Widdersdorfer
Straße ist heute schon überlastet und wird noch zusätzliche
Autoverkehre durch die Nordumgehung Lövenich (ca 10% Mehrverkehr)
erhalten. Die massive Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Gewerbegebiet
Braunsfeld/Müngersdorf/Ehrenfeld von ca 25.000 (Aussage vom Beigeordneten
Herrn Fruhner im WDR2 Nachrichten wird ohne integriertes Verkehrskonzept
zu einen stark erhöhten Autoverkehrsaufkommen auf allen Straßen
führen.
Die Vitalisstraße wird durch die Verlängerung in die Josef-Lammerting-Allee
und dem geplanten Anschluss an den neuen Militärring in Höhe
der Aachener Straße zu einer neuen Hauptverkehrsachse und soll den
Hauptautoverkehr von Nord-Süd-Richtung bewältigen.
Das geplante Gebiet liegt am Ende des Girlitzweg. Die heutige kleine
Unterführung wird durch den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Düren
zukünftig wegfallen. Somit kann das Gebiet nur von der Kreuzung Girlitzweg/Neue
Vitalisstraße in Höhe der S-Bahn angeschlossen werden. Der Knotenpunkt
ist aber wegen der Verschwenkung der neuen Vitalisstraße und der
Tieflage (sie unterquert den Eisenbahndamm) nicht so einfach planen
und wir bezweifeln dass dieser Knotenpunkt ausreichend leistungsfähig
ist. Da uns zur Zeit KEINE Knotenpunktplanungen vorliegen (gibt es sie
überhaupt?), weisen wir hiermit auf einen Problempunkt der Autoverkehrserschließung
hin.
Weder Knotenpunkt noch die beiden Straßen sind leistungsfähig!
Damit treten automatisch Schleichverkehre durch angrenzende Wohnviertel
auf. Der Gelbspötterweg muss – wie bisher – für den Autoverkehr
in beiden Richtungen gesperrt bleiben.
Weiterhin plant die American Sports GmbH am Girlitzweg eine Basketballhalle
mit 3000 Zuschauerplätzen für Basketballbundesligaspiele, die
auch als Freizeitattraktivität für Alle nutzbar sein soll.
Dieser Autoverkehr wird die Straßen und die Kreuzung belasten.
Daneben hat die Halle Girlitzweg eine hohe Freizeitattraktivität,
die eine sehr starke Autonutzung nach sich zieht. Auch die Eurohalle
hat ein hohes Autoverkehrsaufkommen.
Da auch nach den Planungsunterlagen der Bauhof der Firma Wassermann weiter bestehen soll, wird der „nicht unerhebliche“ (Verwaltungsvorlage Seite 4) Autoverkehr weiter bestehen bleiben. Dieser Autoverkehr fällt also nicht weg, wie es die Aussage suggeriert!
Völlig ungeklärt ist neben dem Autoverkehr zu den Arbeitsplätzen
der zunehmende Lieferverkehr, der im gesamten Tagesverlauf zu einer erheblichen
Belastung beiträgt.
Kleiner und mittlere Unternehmungen, Büros, Dienstleiter und Medien
sind heute ein bedeutender Autoverkehrserzeuger, der vielfach mit Kleinlastwagen
und Lieferfahrzeugen bestritten wird (UPS, FedEX, PostExpress, GPD, nur
als Beförderungsunternehmen genannt).
Die Planung erzeugt im höchsten Maße zusätzlichen Autoverkehr
und damit eine erhöhte Belastung der Umwelt mit Immissionen, Lärm
und versiegelter Parkfläche.
Der öffentliche Verkehr
Da sich das Plangebiet am Ende des Girlitzweges befindet sind die Entfernungen
zur geplanten S-Bahn Haltestelle Müngersdorf natürlich die weitesten
Wege! Darin zeigt sich schon die Unsinnigkeit der Planung. Anstelle eine
Verdichtung am hochwertigen ÖPNV-Haltepunkt – hier gehört, wenn
überhaupt, das zwölfstöckige Hochhaus hin – vorzunehmen,
wird das Hochhaus weit entfernt nahe des hochsensiblen Naturschutzgebietes
geplant. Der Fußweg zur und von der S-Bahnhaltestelle liegt dann
an der stark mit Autoverkehr belasteteten Zufahrtsstraße und kann
für den Fußverkehr nicht attraktiv gestaltet werden. Somit wird
die Nutzung des ÖPNVs durch die Planung äußerst unattraktiv
gemacht und ist nur noch für 150%Überzeugte annehmbar. Hier wird
alles falsch gemacht, was nur falsch zu machen ist, um die Nutzung des
ÖPNVs überhaupt in Betrachtung zu siehen.
Zudem hat die SPD/CDU-Mehrheit der Bezirksvertretung Lindenthal aufgrund
von massiver Intervention der Verwaltung die Lage der Haltestelle Widdersdorfer
Str./Vitalisstraße verändert. Die Anbindung des Plangebietes
an den Bus 141 mit der Haltestelle ist NICHT mehr gegeben, da die Haltestelle
ca 300m weiter Richtung Eupener Straße verlagert wird. Wenn die Anbindung
wegen der bisherigen Entfernung von der Verwaltung als nicht optimal angesehen
wird (Seite 1 der Anlage 2), kann sie nach dem Beschluss als nicht mehr
gegeben betrachtet werden.
Dieses Gebiet ist nach unserer Auffassung NICHT an den ÖPNV angebunden.
Radverkehr
Das Plangebiet wird nur über den Girlitzweg erschlossen und der
trägt die komplette Autover-kehrslast. Es gibt keine Aussage darüber,
ob am Girlitzweg zur Komfort- und Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs,
und angesichts des Autoverkehrs, Anlagen für die Förderung des
Radverkehrs vorgesehen sind. Radweg, Radspur, Radfahrstreifen. Auch muss
der Knotenpunkt Girlitzweg/Neue Vitalisstraße für den Radverkehr
angemessen sein und nicht – wie die meisten Kreuzungen den Radverkehr hemmend.
In früheren Planungen war eine Rad-Fußwegverbindung durch
die kleine Unterführung Girlitzweg vorgesehen. Damit sollte eine Verbindung
entlang eines Grünzuges von Vogelsang nach Müngersdorf geschaffen
werden. An diesen Planungen ist fest zu halten. Dabei muss ein gesicherter
Überweg über die Widdersdorfer Straße geschaffen werden.
Weiterhin sollte das Plangebiet mit einer Rad- und Fußwegeverbindung
direkt an Vogelsang angeschlossen werden.
Abschließende Bemerkung
Da keine konkrete Aussagen in den vorgelegten Unterlagen zur Verkehrserschließung
gegeben sind und die Planung sehr unreif ist (Entfernung zum ÖPNV)
lehnen wir die Gesamtplanung ab. Sie erzeugt nur mehr Autoverkehr und erhöht
die Belastung der Umwelt.
Roland Schüler, Vorstand
VCD Köln und Umgebung e.V.