Pressemitteilung zum Planungskonzept Girlitzweg

 
6.6.2001

Einwendung zum städtebaulichen Planungskonzept Gewerbepark Girlitzweg

 

 

Der Kreisverband Köln und Umgebung des Verkehrsclubs Deutschland, VCD, erhebt hiermit Einwände gegen das städtebauliche Planungskonzept.
 

Wiederum beklagen wir die stark eingeschränkte Form der Bürgerbeteiligung. Sie kann zwar formal rechtens sein, aber sie ist bürgerunfreundlich und hemmt eine Beteiligung der BürgerInnen. Zum einem wird der Plan nur für eine Woche zu bürgerunfreundlichen Zugangs-zeiten im Bezirksrathaus Ehrenfeld ausgelegt. So war es mir nicht möglich zu den Zeiten von 8.00 – 12.00 und Mo-Do auch 14.00 – 16.00 Uhr nach Ehrenfeld zu kommen, da ich dienstlich in Düsseldorf arbeitete. Mindenstens ein Abendtermin muss für eine Bürgerbeteiligung, die ihren Namen verdient, möglich sein. Eine Woche ist schon arg knapp, aber die Einwendungsfrist um die Pfingstfeiertage zu legen, grenzt doch an Verhöhnung der BürgerInnen. Die Verwaltung hat Feiertag, aber der Bürger, die Bürgerin darf arbeiten. Somit ist eine effektive Einwendungszeit doch massiv beschnitten.  Ich habe die Unterlagen mit in den Pfingstkurzurlaub genommen.
Weiterhin haben Bürgerinnen und Bürger in den benachbarten Stadtteilen von Müngersdorf und Braunsfeld überhaupt keine Informationen über die Bürgerbeteiligung erhalten. Zwar sind sie vom Projekt betroffen, aber das Wissen um die Pläne wurde in der Presse oder durch andere Formen der Öffentlichkeitsarbeit ihnen nicht nahegebracht. Nur die zufällig zu findende öffentliche Bekanntmachung hat die BürgerInnen informiert.

Aus den uns vorliegenden Unterlagen „Beschluss über die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens“, die uns freundlicherweise und zur Arbeitserleichterung in Kopie von den GRÜNEN Ehrenfeld zur Verfügung gestellt wurden, kann eine ordentliche Betrachtung des Verkehrsaufkommens nicht gemacht werden.  Es fehlen konkrete Aussagen über die Anzahl der neu zu schaffenden Arbeitsplätzen. Erst im Zusatzschreiben des Investors wird die Zahl von 500 bis 600 Arbeitsplätzen genannt.
Wir bezweifeln sehr stark, dass das sich an den Gilrlitzweg anschließende Straßennetz den Autoverkehr ohne weiteres aufnehmen kann. Die Widdersdorfer Straße ist heute schon überlastet und wird noch zusätzliche Autoverkehre durch die Nordumgehung Lövenich (ca 10% Mehrverkehr) erhalten. Die massive Schaffung von neuen Arbeitsplätzen im Gewerbegebiet Braunsfeld/Müngersdorf/Ehrenfeld von ca 25.000 (Aussage vom Beigeordneten Herrn Fruhner im WDR2 Nachrichten wird ohne integriertes  Verkehrskonzept zu einen stark erhöhten Autoverkehrsaufkommen auf allen Straßen führen.
Die Vitalisstraße wird durch die Verlängerung in die Josef-Lammerting-Allee und dem geplanten Anschluss an den neuen Militärring in Höhe der Aachener Straße zu einer neuen Hauptverkehrsachse und soll den Hauptautoverkehr von Nord-Süd-Richtung bewältigen.

Das geplante Gebiet liegt am Ende des Girlitzweg. Die heutige kleine Unterführung wird durch den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Düren zukünftig wegfallen. Somit kann das Gebiet nur von der Kreuzung Girlitzweg/Neue Vitalisstraße in Höhe der S-Bahn angeschlossen werden. Der Knotenpunkt ist aber wegen der Verschwenkung der neuen Vitalisstraße und der Tieflage (sie unterquert den Eisenbahndamm)  nicht so einfach planen und wir bezweifeln dass dieser Knotenpunkt ausreichend leistungsfähig ist. Da uns zur Zeit KEINE Knotenpunktplanungen vorliegen (gibt es sie überhaupt?), weisen wir hiermit auf einen Problempunkt der Autoverkehrserschließung hin.
Weder Knotenpunkt noch die beiden Straßen sind leistungsfähig!
Damit treten automatisch Schleichverkehre durch angrenzende Wohnviertel auf. Der Gelbspötterweg muss – wie bisher – für den Autoverkehr in beiden Richtungen gesperrt bleiben.

Weiterhin plant die American Sports GmbH am Girlitzweg eine Basketballhalle mit 3000 Zuschauerplätzen für Basketballbundesligaspiele, die auch als Freizeitattraktivität für Alle nutzbar sein soll.  Dieser Autoverkehr wird die Straßen und die Kreuzung belasten.
Daneben hat die Halle Girlitzweg eine hohe Freizeitattraktivität, die eine sehr starke Autonutzung nach sich zieht.  Auch die Eurohalle hat ein hohes Autoverkehrsaufkommen.

Da auch nach den Planungsunterlagen der Bauhof der Firma Wassermann weiter bestehen soll,  wird der „nicht unerhebliche“ (Verwaltungsvorlage Seite 4) Autoverkehr weiter bestehen bleiben. Dieser Autoverkehr fällt also nicht weg, wie es die Aussage suggeriert!

Völlig ungeklärt ist neben dem Autoverkehr zu den Arbeitsplätzen der zunehmende Lieferverkehr, der im gesamten Tagesverlauf zu einer erheblichen Belastung beiträgt.
Kleiner und mittlere Unternehmungen, Büros, Dienstleiter und Medien sind heute ein bedeutender Autoverkehrserzeuger, der vielfach mit Kleinlastwagen und Lieferfahrzeugen bestritten wird (UPS, FedEX, PostExpress, GPD, nur als Beförderungsunternehmen genannt).

Die Planung erzeugt im höchsten Maße zusätzlichen Autoverkehr und damit eine erhöhte Belastung der Umwelt mit Immissionen, Lärm und versiegelter Parkfläche.
 

Der öffentliche Verkehr

Da sich das Plangebiet am Ende des Girlitzweges befindet sind die Entfernungen zur geplanten S-Bahn Haltestelle Müngersdorf natürlich die weitesten Wege! Darin zeigt sich schon die Unsinnigkeit der Planung. Anstelle eine Verdichtung am hochwertigen ÖPNV-Haltepunkt – hier gehört, wenn überhaupt, das zwölfstöckige Hochhaus hin – vorzunehmen, wird das Hochhaus weit entfernt nahe des hochsensiblen Naturschutzgebietes geplant. Der Fußweg zur und von der S-Bahnhaltestelle liegt dann an der stark mit Autoverkehr belasteteten Zufahrtsstraße und kann für den Fußverkehr nicht attraktiv gestaltet werden. Somit wird die Nutzung des ÖPNVs durch die Planung äußerst unattraktiv gemacht und ist nur noch für 150%Überzeugte annehmbar. Hier wird alles falsch gemacht, was nur falsch zu machen ist, um die Nutzung des ÖPNVs überhaupt in Betrachtung zu siehen.
Zudem hat die SPD/CDU-Mehrheit der Bezirksvertretung Lindenthal aufgrund von massiver Intervention der Verwaltung die Lage der Haltestelle Widdersdorfer Str./Vitalisstraße verändert. Die Anbindung des Plangebietes an den Bus 141 mit der Haltestelle ist NICHT mehr gegeben, da die Haltestelle ca 300m weiter Richtung Eupener Straße verlagert wird. Wenn die Anbindung wegen der bisherigen Entfernung von der Verwaltung als nicht optimal angesehen wird (Seite 1 der Anlage 2), kann sie nach dem Beschluss als nicht mehr gegeben betrachtet werden.
Dieses Gebiet ist nach unserer Auffassung NICHT an den ÖPNV angebunden.

Radverkehr

Das Plangebiet wird nur über den Girlitzweg erschlossen und der trägt die komplette Autover-kehrslast. Es gibt keine Aussage darüber, ob am Girlitzweg zur Komfort- und Attraktivitätssteigerung des Radverkehrs, und angesichts des Autoverkehrs, Anlagen für die Förderung des Radverkehrs vorgesehen sind. Radweg, Radspur, Radfahrstreifen. Auch muss der Knotenpunkt Girlitzweg/Neue Vitalisstraße für den Radverkehr angemessen sein und nicht – wie die meisten Kreuzungen den Radverkehr hemmend.
In früheren Planungen war eine Rad-Fußwegverbindung durch die kleine Unterführung Girlitzweg vorgesehen. Damit sollte eine Verbindung entlang eines Grünzuges von Vogelsang nach Müngersdorf geschaffen werden. An diesen Planungen ist fest zu halten. Dabei muss ein gesicherter Überweg über die Widdersdorfer Straße geschaffen werden.
Weiterhin sollte das Plangebiet mit einer Rad- und Fußwegeverbindung direkt an Vogelsang angeschlossen werden.

Abschließende Bemerkung

Da keine konkrete Aussagen in den vorgelegten Unterlagen zur Verkehrserschließung gegeben sind und die Planung sehr unreif ist (Entfernung zum ÖPNV) lehnen wir die Gesamtplanung ab. Sie erzeugt nur mehr Autoverkehr und erhöht die Belastung der Umwelt.
 
 

Roland Schüler, Vorstand
VCD Köln und Umgebung e.V.