Pressemitteilung Giftliste zum ÖPNV

 

 
 
 

23.11.2002

 

GIFTLISTE DER VERWALTUNG zur STREICHUNG von Mittel des Nahverkehrs:


Weihnachten ist bei vielen Menschen Ebbe in der Kasse, weil man sich zu große Wünsche erfüllt hat. Genauso ist es jetzt in Köln beim U-Bahn- und Stadtbahnbau.
Nachdem Verwaltung, SPD und CDU mit dem Anhängsel FDP das Milliardengrab Nord-Süd-U-Bahn für ca 700 Millionen Euro (ohne den Ausbau der südlichen
Gürtelstrecke) auf den Weg gebracht hat, fehlt nun das Geld an allen Ecken und Kanten. Nebenbei bemerkt, das Projekt wurde früher auf 1 Milliarde DM beziffert (mit Gürtelbahn) und ist schon vor dem ersten Spatenstich 400 Mill DM (200 Mill . Euro) teurer. Mal sehen wie die Abrechnung 2010 aussieht.

Landesweit gibt es nur noch 26 Millionen Euro (2002) bis 176 Millionen Euro (2006). Denn nicht nur Köln hat bei den U-Bahnprojekten fett zugelangt, auch Düsseldorf, Essen Dortmund waren mit teuren Untergrundbahnen dabei. Da wird viel Geld in Beton festgesetzt. Dies ist der eigentliche Grund, weshalb vom vielen
Geld so wenig übrig bleibt. Die knappe Kasse des Landes macht eine Erweiterung der Landesmittel für den Nahverkehr nicht möglich. "Da hat Köln in der Vergangenheit den Mund zu voll genommen und jetzt müssen die Fahrgäste es ausbaden" so Roland Schüler, Vorstandsmitglied des VCDs Köln. Von den wenigen
Geld erhält Köln ja viel von den Finanzmittel für die teure Nord-Süd-U-Bahn.

Und da bleibt wenig übrig. Und das wenige ist auch noch landesweit zu verteilen.

Armes Colonia, was kann es denn noch kriegen?

Auf jeden Fall keine weitere Straßenbahnen mehr. Der letzte Erfolg, die Verlängerung nach Weiden mit knapp 50 Millionen DM jetzt über 10.000 Fahrgäste
täglich (früher im Bus 3.500) bleibt auf lange Zeit nicht wiederholbar. Weder auf der Rechtsrheinischen Ringstrecke von Mülheim bis Ostheim, der Verlängerung
der Linie 7 von Zündorf nach Ranzeler Straße und der Verlängerung der südlichen Gürtelstrecke.
Gestrichen sind wichtige neue Haltestellen im Netz wie der Neubau der Haltestelle Severinsbrücke (notwendig zur Erschließung des  Rheinauhafens), der Neubau der beiden Haltestellen der Linie 13 (Niehler Str. und Boltensternstraße/Gürtel, seit 1990 vorgesehen) die für die Fahrgäste sofort einen Nutzen haben.
Unverständlich ist die Streichung der Aufzüge Haltestelle Neußer Str./Gürtel (und damit auch ein ebenerdiger Zugang) und der Aufzüge Bahnhof Deutz/Messe
(der neue ICEHauptbahnhof ist dann nicht behindertengerecht)

All diese sinnvollen und dringend notwendigen Verbesserungen werden in absehbarer Zeit nicht kommen. Zum Glück auch die unsinnigen wie die Tieferlegung der Ost-West-Strecke  und des Barbarossaplatzes. "Der VCD hatte in jeder Stellungnahme zur Nord-Süd-U-Bahn immer daruf hingewiesen, dass dann weitere
Maßnahmen für die Stadtbahn nicht möglich sind. PolitikerInnen, Verwaltung und Öffentlichkeit hätten davon wissen müssen. Jetzt scheiben sie den schwarzen
Peter zum Land. Aber die Kölner Entscheider haben die Priorität auf die U-Bahn statt den Straßenbahnausbau gesetzt." so analysiert Roland Schüler die eigentlich nicht neue Lage.

Der eigentliche Skandal liegt in der Priorität II  versteckt (nach Aussage der Verwaltung voraussichtlich erst nach 2006 möglich): Die vom VCD und von vielen
Fahrgästen so wichtig erachtete Bahnsteiganhebungen NEUMARKT, Dom/Hauptbahnhof, Appellhofplatz und Poststraße werden nicht realisiert. Noch viele Jahre
müssen hunderttausend Fahrgäste in die Bahnen klettern und für alle Mobilitätsbehinderten wird es weiter Probleme geben.

Dafür soll aber eine Straßenbahnverlängerung der Linie 1 nur für zwei Fußballweltmeister-schaftsspiele (Weiden Bonnstraße) gebaut werden, deren täglicher Nutzen ohne eine S-Bahnhaltestelle Bonnstraße sehr fraglich ist.

Die Erhöhung der Bahnsteige im zentralen Tunnel ist als bedeutsamste Maßnahme anzusehen und gehört nach Auffassung des VCDs in die höchste Priorität vor
allen anderen Überlegungen!
 

Mit freundlichen Grüßen
 

Roland Schüler

VCD Köln und Umgebung e.V.