Stellungnahme zum Bebauungsplan Rheinauhafen
18.5.2001
* AKTUALISIERT am 13.6.2001 *
Der umweltfreundliche Verkehrsclub Deutschland VCD Kreis Köln
und Umgebung erhebt folgende Einwände in der Offenlage des Bebauungsplans
Rheinauhafen:
1. Anbindung an den ÖV
Das Planungsgebiet ist schlecht an den ÖV angebunden. Für ein
solch verdichtetes Gebiet mit den Nutzungen Gewerbe, Wohnen, Freizeit und
Kultur ist es nicht hinnehmbar, dass das Gebiet nur punktuell und durch
Haltestellen am Rande erschlossen wird. (Brücke Severinsbrücke
und Ubierring). Bei letzterer Haltestelle wird bei den von der Stadt Köln
geplanten U-Bahnbau deren Bedeutung verringert (Wegfall der Linie 16).
Nur noch eine Linie, die über den Ring fährt ist dann vorhanden.
Damit ist das Gebiet mangelhaft erschlossen und eine direkte Verbindung
zum Dom/Hbf ist nicht vorhanden.
Der VCD schlägt vor auf der alten Trasse der Rheinuferbahn eine
Stadtbahnlinie längs des Entwicklungsgebietes einzurichten. Damit
wird das Gebiet optimal erschlossen (und das zum Rhein gelegene Severinsviertel
auch (auch hier ist die Entfernung zur Nord-Süd-U-Bahn doch groß))
und eine schnelle Direktverbindung in die Innenstadt/Altstadt/Rathaus von
Köln und den Dom/HBF ist damit gewährleistet.
Auch der im Verkehrsgutachten betrachtete Quell- und Zielverkehr (45%
südlich des Rheinauhafens 45% nördlich (in und aus Rheinufertunnel,
10% davon Filzengraben bzw. Heumarkt) fordern nach einer leistungsfähigen
Nord-Süd-Schienenverbindung.
10% Ubierring lassen sich über die 15 abwickeln.
2. Mit der Verbesserung des ÖV kann das Gebiet Stellplatzreduziert
werden
Ein großes Problem für das Gebiet ist der Nachweis der Parkplätze.
Diese können nach der neuen Landesbauordnung bei gutem ÖV drastisch
reduziert werden. Mit einer deutlichen Verringerung der Parkplätze
wird auch der durch das neue Plangebiet erzeugte und auch nach dem Verkehrsgutachten
nur schwer zu bewältigende Autoverkehr Verkehrsmenge: 12.132 zusätzliche
Fahrten reduziert.
Nicht nur der Rheinauhafen, sondern das Severinsviertel und alle Wohngebiete
im näheren Einzugsbereich profitieren von weniger Autolärm und
–immissionen.
3. Keine Verschlechterungen für FußgängerInnen
Durch die geplanten Maßnahmen zur Bewältigung des zusätzlichen
Autoverkehres werden die FußgängerInnen extrem benachteiligt.
Die Trennwirkung der Rheinuferstraße wird noch betont. Die FußgängerInnen
müssen an den Ampelüberwegen wegen der längeren Rotzeit
länger warten und es fallen heute vorhandene Überwege weg.
Diese Überwege sind aber auch wichtig für die Fahrgäste
des Övs, die den Weg zu Fuß zur Nord-Süd-U-Bahn auf der
Severinsstraße antreten. Deren Zu- und Abweg wird durch die Wartezeit
länger und damit unattraktiver.
Anstatt durch positive Maßnahmen den Anteil des Fußverkehres
am Modal-Split des neuen Gebietes zu erhöhen, wird er durch die einseitige
Förderung des Autoverkehrs sogar noch behindert.
4. Keine Verschlechterung für den Radverkehr
Das oben gesagte trifft gleichrangig auch für den Radverkehr zu. Für
Entfernung im Nahbereich bis zu 5 km ist das Fahrrad ein äußerst
attraktives Verkehrsmittel. Doch auch hier wird die Attraktivität
und die Zeit durch die Wartezeit bei der Überquerung der Rheinuferstraße
unnötig verschlechtert anstatt zu fördern.
Der Radweg an der Rheinuferstraße ist heute eine wichtige regionale
Verbindung. Sie dient der schnellen und komfortablen Nord-Südverbindung
und wird von vielen RadfahrerInnen aus den südlichen Stadtteilen in
die Innenstadt genutzt. Diese Verbindung wird massiv verschlechtert, wenn
die Autoverkehrszufahrten in den Rheinauhafen diese queren. Unterbrechungen
der Radfahrt und längere Wartezeiten sind die Folge. Dieser Eingriff
muss deutlich im Sinne eines Gesamtstadtradverkehrs reduziert werden. Dies
geht nur, wenn die Stellplätze im Gebiet massiv reduziert werden.
5. Kein Ausbau der Rheinuferstraße zu drei Fahrspuren
Zwischen Ubierring und Drehbrücke soll die Rheinuferstraße auf
drei Fahrspuren je Richtung erweiert werden. Dies lehnen wir ab. Erweiterungen
von Straßen ziehen nur noch mehr Autoverkehr an. Damit wird das Problem
nicht gelöst sondern nur verschlimmert.
* Hinzugefügt am 13.6.2001 :
6. Anbindung des Rheinauhafens mit einer ÖPNV-Schiffsverbindung
Der Rheinauhafen sollte auch auf der Rheinseite einen attraktiven ÖPNV-Anschluss
per Schiff erhalten. Es sollten ein oder zwei Anlegestellen am Rheinauhafen
für einen Schiffspersonen-verkehr vorgesehen werden. Eine ständig
verkehrende Schnellbootlinie könnte von Mülheim über Zoo,
Deutz, Innenstadt, Rheinauhafen, Rodenkirchen und Porz verkehren und den
Rheinauhafen direkt und auf schnellen Wege mit den Stadtteilen verbinden
.
Beispiele aus anderen Städten wie Hamburg und Amsterdam zeigen
dass auch der ÖPMV mit Schiff eine Nachfrage hat. In Amsterdam sind
die neuen Wohngebiete an der Amstel im ehe-maligen Javahafen direkt mit
der Innenstadt und dem Bahnhof verbunden. Auch das neue Wohnprojekt mit
20.000 EinwohnerInnen Amsteleiland wird mit dem Schiff erschlossen, neben
einer Straßenbahnlinie. Auch gibt es einen ständigen Linienverkehr
zwischen Dordrecht und Amsterdam.
Roland Schüler , Vorstand
VCD Köln und Umgebung e.V.