Pressemitteilung zur Sperrung des Innenstadttunnels Köln

 

 
 
 
 
 

November 2002

Wie bitte komme ich 2004 zum Hauptbahnhof ?


Die baubedingte Sperrung des Stadtbahntunnels zwischen den Stationen Breslauer Platz und Dom/Hbf im Sommer 2004 unterbricht gleich für mehrere Monate eine der am meisten nachgefragten Verkehrsverbindungen des Kölner ÖPNV. Insbesondere wird die Erreichbarkeit des Kölner Hauptbahnhofs erheblich erschwert. Das bisherige Konzept von Stadt und KVB sieht vor, in 2004 alle Nord-Süd-Stadtbahnen über die Ringe zu führen. Allein die Linie 12 soll zweigeteilt werden und jeweils von Norden und von Süden den Hauptbahnhof bedienen.

Der VCD hält dieses Angebot angesichts der Bedeutung des Hauptbahnhofs als zentraler Knoten und Übergang zum Regional- und Fernverkehr für absolut nicht ausreichend. Auch die Erreichbarkeit des Hauptzielgebietes Dom/Altstadt wird wesentlich erschwert. Es entstehen zusätzliche Umsteigezwänge. Andererseits stehen aber auf den für einen Umstieg in Frage kommenden Linien schon heute in den Spitzenzeiten keine Kapazitäten mehr zur Verfügung. Aus diesem Sachverhalt heraus empfiehlt der AK ÖPNV des VCD dringend, für den Zeitraum der Sperrung des Stadtbahntunnels weitere Kompensationsmaßnahmen vorzusehen, um die Komforteinbußen der Nutzer möglichst gering zu halten und die Erschließung von Innenstadt sowie die Verknüpfung von Stadtbahn und DB-Schienenverkehr sicherzustellen.

Zur Linderung der Problemfelder kommen zusätzliche Stadtbahnleistungen zu den Stationen Breslauer Platz (von Norden kommend) sowie Dom/Hbf (von Süden kommend) aufgrund fehlender Wendemöglichkeiten nicht in Frage. Daher sind für Umsteiger Ersatzverkehre einzurichten, die sich vorwiegend auf den Busverkehr erstrecken:

1. Einführung einer Busverbindung zwischen Ebertplatz und Hauptbahnhof, um die Anbindung des Hauptbahnhofes aus nördlicher Richtung zu verbessern; zum einen durch Verlängerung der Buslinien 134 und 148 vom Ebertplatz bis Breslauer Platz (zusätzlicher Vorteil: Umsteigezwang am Ebertplatz für Busfahrgäste eliminiert); zum anderen durch Verlängerung der Linien 132 und 133 vom Hauptbahnhof bis zum Ebertplatz (zusätzlicher Vorteil: Die Altstadt wäre von Norden her ohne Umwege mit einmaligem Umsteigen am Ebertplatz zu erreichen)
2. Verlängerung der Buslinien 136 und 146 vom Neumarkt zum Hauptbahnhof, um die stark nach gefragte innerstädtische Kurzstrecke Neumarkt – Hauptbahnhof zu verstärken und Fahrgastströme aus der U-Bahn herauszunehmen (innerstädtische Kurzstreckenfahrgäste, Umsteiger von der DB, den Bussen selbst sowie der Ost-West-Achse)
3. Ganztägiger sowie auch während der Semesterfreien durchgeführter Betrieb der Stadtbahnlinie 8 zwischen Neumarkt und Universität, um aus den südlichen Stadtteilen eine weitere Umsteigemöglichkeit zum Neumarkt zu schaffen; dadurch zusammen mit der Linie 9 Bereitstellung eines im Vergleich zum Barbarossaplatz (nur noch eine Linie!) sowohl zeitlich als auch auf die Beförderungskapazität bezogen besseren Angebotes zum Neumarkt für Umsteiger aus den südlichen Stadtteilen
Zusätzlich sind Informationskonzepte umzusetzen, welche insbesondere Umsteiger auf den Schienenverkehr vom Hauptbahnhof weg auf andere Verknüpfungspunkte leiten. Zu nennen ist in erster Linie die gute Erreichbarkeit der RE-Halte Köln-Mülheim und –Ehrenfeld aus dem linksrheinischen Norden über die Linie 13. Eine offensive Informationsstrategie benötigen natürlich auch die Busersatzverkehre sowie die Korrespondenz am Zülpicher Platz, damit sie auch zielführend genutzt werden. Mögliche Alternativrouten sind am Besten grafisch auf Plänen wiederzugeben. Bei der Umsetzung eines Informationskonzeptes ließe sich beispielsweise auf die Erfahrungen der Berliner Stadtbahnsperrung zurückgreifen.

Daneben sei darauf hingewiesen, dass die vollständige Verlagerung der Umsteiger am Hauptbahnhof aus nördlicher Richtung an die Haltestelle Breslauer Platz Initiator für eine Verbesserung des DB-Kundenservice an der Hauptbahnhofsrückseite sein muss. Bei Maßnahmen in dieser Beziehung würde es sich im Übrigen nicht um einen temporären, sondern langfristigen Nutzen handeln, da nach Fertigstellung der Nord-Süd-Stadtbahn der Breslauer Platz (und nicht mehr Dom/Hbf) die maßgebliche Verknüpfungsstation zwischen Bahnverkehr und städtischem ÖPNV sein wird und auch die Bedeutung für die Verknüpfung zwischen Autoverkehr sowie Taxi und Bahn nach weiterer Verkehrsberuhigung der Bahnhofsvorderseite steigen wird. Heute fehlen am Eingang Breslauer Platz des Hauptbahnhofes jegliche aktuelle Informationen über Abfahrten und Ankünfte (dafür würden nur einfache Monitore benötigt!) sowie in der anderen Richtung Hinweise auf die Umsteigewege zur Stadtbahn am Breslauer Platz. Mittelfristig sollte auch über die Einrichtung von Fahrkartenverkaufsstellen an der hinteren Bahnhofsseite nachgedacht werden, zumal das heutige Reisezentrum zu Spitzenzeiten völlig überlastet ist.

Für die Orientierung des Fahrgastes ist es ferner wichtig, dass die Führung einer Linie nur einmal geändert wird. Die im Sommer 2004 gültige Regelung sollte so als Zwischenstufe genutzt werden zu den ohnehin beschlossenen Linien-Umstellungen im Rahmen des neuen Niederflurkonzepts. Dies kann dadurch erreicht werden, dass die heutigen Ringlinien zunächst unverändert bleiben, die neuen Ringlinien aber schon wie im Zielzustand eingerichtet werden. In dieser Beziehung erscheint es als fragwürdig, warum gerade die Linie 12 nicht über die Ringe umgeleitet werden soll, obwohl gerade diese Linie nach Abschluss der Bauarbeiten eben auf die Ringstrecke verlegt werden soll.
 

VCD Köln, November 2002
(Marc Schneiders/Christoph Groneck)