Pressemitteilung Ring-Unfall

 
3.4.2001

 

Gedanken des VCD Köln zum tragischen Verkehrsunfall am Samstag auf dem Kölner Ring

 

 
 

Wir haben es leider mit einer Entwicklung zu tun, die sich schon seit Jahren auf unseren Straßen wiederfindet: Die Aggressivität steigt, die Rücksichtslosigkeit der Verkehrsteilnehmer nimmt zu. Ein geordnetes Miteinander gibt es leider nicht mehr.
Diesem Trend des Verkehrsalltages folgt die gefährliche Selbstdarstellung von jungen Männer in überzüchteten Autos, die sie dann nicht mehr beherrschen.

Imponiergehabe findet auf der Straße statt – mein Auto ist ein wesentliches Stück meiner Selbst. Und das wird Aufmerksamkeitsheischend (röhrende Auspuffe, dröhnende Bässe usw) dargestellt. Der Ring mit seinem Publikum - aber auch die Ehrenstraße oder Friesenstraße, oder die Venloer Straße in Köln Ehrenfeld – sind begehrte Autofahrreviere, weil sie genug Publikum haben. Der sogenannte Fun-Verkehr hat in den letzten  Jahren in der Stadt massiv zugenommen.

Gefährlich  wird die Situation, wenn aus dem Funverkehr ein Imponiergehabe, ein Konkurrenzkampf, ein Wettrennen wird. Die jungen Männer steigen emotional in den Kampf ein und verlieren jeglichen Bezug zur Umwelt. Und wissen nicht mehr was sie tun – außer sich selbst darstellen. Und vergessen, dass sie in einer Tötungsmaschine sitzen.
Mit verherrenden Folgen für Unschuldige.

Dieses Phänomen lässt sich auf andere Felder übertragen.

Auch bisher gab es in Köln Wettrennen mit Autos, auf Vorortortstraßen oder eine ganze Zeit auf dem Parkplatz an den Janhwiesen. Das verlagert sich auch immer mehr in die belebte Stadt.
 

Polizeikontrollen können nur kurzfristig was erreichen. Sie sind notwendig aber leider nicht ausreichend. Kontrollen brauchen unterstützende Maßnahmen, um ein neues Verkehrsverhalten zu erzeugen.  Da helfen keine Einzelmaßnahmen, sondern Verkehrssicherheit in der Stadt entsteht durch ein Bündel von Maßnahmen.
Der VCD Köln und Umgebung skizziert einige:

1. Der Ring , als Ort des zentralen Geschehens muss baulich umgestaltet werden, um ihm den Charakter der Rennbahn zu nehmen, u.a. durch   begrünte Mittelinseln, Verschwenkungen, Verringerung der Fahrbahnen

2. Freitag und Samstag abends (eventuell auch Sonnatgs ) soll der Ring zwischen Zülpicher Platz und Kaiser-Wilhelm-Ring für den Autoverkehr gesperrt werden und die gewonnenen Fläche ist für FußgängerInnen, RadfahrerInnen, Außengastronomie, Inlin, Skater, Basketballspieler, Streetvolleyball usw..
Der VCD hat am 22. September 2000 gezeigt, wie eine solche Fläche autofrei zu nutzen sei.
Eine Sperrung ist die effektivste Maßnahme, um den Funverkehr auf den Ringen zu unterbinden.

3. Es braucht eine mentale Umkehr in der öffentlichen Wahrnehmung. Unser Ziel soll sein

„ Köln will keine Raser auf den Straßen „

Politik, Verwaltung, Polizei,  Organisationen, Verkehrsinitiativen müssen in die gleiche Richtung gehen. Eine Tempo 100-auf-unseren-Strassen-Kampagne zu propagieren, ist kontraproduktiv zur Verkehrssicherheit und bestärkt die AutofahrerInnen, schneller zu fahren als erlaubt. Damit wird ein negative Spirale in Gang gesetzt.  Der Regelverstoss – zu schnelles fahren – wird im Verkehrsalltag wenig sanktioniert, da die Geschwindigkeitsüberwachung in Köln mangelhaft ausgeprägt ist. Und da es keiner sanktioniert, woher sollen junge Männer dann gelernt haben, Geschwindigkeitsregeln einzuhalten. Sie erleben doch alltäglich ein zu schnelles fahren. Also fahren auch sie schneller und beherrschen ihr Auto immer weniger. Verstärkt wird ihr Verhalten noch mit dem Faktor des Imponierens.  Passiert ja doch nichts.  Und wenn, dann trifft es meist unschuldige VerkehrsteilnehmerInnen.

Verantwortungsvolles Autofahren heißt die Geschwindigkeit in der Stadt zu drosseln und langsamer zu fahren. Dieses Bewußtsein muss mühsam von allen aufgebaut werden.

Notwendig zur Bewußseinsbildenden Maßnahme:  Tempo 50 auf allen Hauptstraßen und Tempo 30 in den Wohngebieten. Und zwar flächendeckend und vollständig. (In Köln noch sehr lückenhaft)  Zudem muss es chic sein, langsam zu fahren. Raser sind geächtet. Besonders öffentlich – auch in den Medien, im öffentlichen Vorleben von Politik und Verwaltung.

Damit wir nicht mehr soviele unschuldig verletzte oder getötete Personen im Straßenverkehr haben. Der VCD spricht den verletzten Menschen und ihren Angehörigen  die Hoffnung auf baldige und vollständige Genesung aus und der Familie Schramma unser tiefes Beileid aus.
 

VCD Köln und Umgebung e.V.