Wir empfehlen, die Verwaltung zu beauftragen, einen alternativen Entwurf für den Teilbereich Chorweiler zu erarbeiten. Dabei sind alle Stadtteile in den Hauptverkehrszeiten alle 20 Minuten mit kurzen Übergangszeiten an die S-Bahn von/nach Köln-Zentrum anzubinden.
Schlechtestes Busangebot in Köln im Bezirk Chorweiler
Nach weitgehenden Optimierungen des Angebots in den Busnetzen Linksrheinisch Süd und Rechtsrheinisch Süd werden nun auch im Stadtbezirk Nippes das Angebot ausgeweitet sowie die Linienläufe effektiv ausgerichtet. Alle Linien, mit Ausnahme der Linie 121 mit Schwerpunkt im Stadtbezirk Chorweiler, verkehren im Köln-Takt (alle 10 Minuten in der HVZ) oder Köln-"Halbtakt" (alle 20 Minuten in der HVZ).
Dagegen sieht die Planung der Verwaltung im Stadtbezirk Chorweiler weiterhin
ein vielfach unzureichendes Angebot vor. Esch/Auweiler bleibt nach dem
Konzept der am schlechtesten an die Innenstadt angebundene Stadtteil Kölns.
Selbst in der Hauptverkehrszeit wird nur ein 30-Minuten-Takt ohne Anschluss
an die S-Bahn in Longerich angeboten. Sonntags besteht nur ein höchst
unattraktiver Stundentakt.
Der der Verwaltung bekannte, unverhältnismäßig geringe
Anteil an Nutzern des öffentlichen Nahverkehrs in diesem Stadtteil
kann auf diese Weise nicht gesteigert werden. Dasselbe gilt für die
Anbindung von Weiler, die ebenfalls weiterhin selbst in der Hauptverkehrszeit
nur im 30-Minuten-Takt ohne S-Bahn-Anschluss erfolgen soll
Von den Merkenicher Rheindörfern ab Langel besteht wegen des unterschiedlichen Taktes von Bus und Stadtbahn (Linie 12) sogar montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr weiterhin nur einmal in der Stunde in Merkenich ein zumutbarer Anschluss in die Innenstadt.
Diese Beispiele zeigen: der öffentliche Nahverkehr im Stadtbezirk Chorweiler außerhalb des unmittelbaren Einzugsbereichs der Schienenstrecken ist - und bleibt mit dem Konzept der Stadtverwaltung - der mit Abstand schlechteste in Köln.
Kostenneutrale Alternativen sind möglich
Mit dem Konzept des VCD liegt ein Entwurf für ein alternatives, kostenneutrales Busnetz im Stadtbezirk Chorweiler mit Anschluss aller Stadtteile an die S-Bahn vor.
Bei den genannten Mehrkosten von 700.000 EUR für den 20-Minuten-Takt auf allen Linien mit Bus-Rendez-Vous in Chorweiler sind im VCD-Konezpt enthaltene Einsparungen nicht berücksichtigt.
Im VCD-Gutachten wird der Mehraufwand für den 20-Minuten-Takt auf heute nur halbstündlich bedienten Relationen (insbesondere Longerich S-Bahn - Esch, Bocklemünd - Esch - Chorweiler sowie Weiler - Chorweiler) sowie die neue Verbindung Pesch - Chorweiler durch zwei ganz wesentliche Netzoptimierungen kompensiert, wodurch es in der Hauptverkehrszeit keine Steigerung des Betriebsaufwandes gibt. Diese beiden Optimierungen sind folgende:
- Führung der Linie 121 durch den Ortskern von Weiler (entsprechend des 1. Nahver-kehrsplans der Stadt Köln): Damit kann die heutige Linie 125 zwischen Chorweiler und Weiler entfallen, gleichzeitig erhält Weiler einen 20-Minuten-Takt.
- Ergänzung der beiden Linien 125 und 127 zwischen Longerich und Pesch zu einem gemeinsamen Angebot: Heute fährt die Linie 127 in der Hauptverkehrszeit alle 10 Minuten und die Linie 125 alle 30 Minuten unmittelbar vor der Linie 127 her, durch die Bedienung beider Linien jeweils im 20-Minuten-Takt (auf dem parallelen Abschnitt Longerich - Pesch also weiterhin alle 10 Minuten) werden auf diesem Abschnitt 2 Fahrten pro Stunde und Richtung ersetzt, gleichzeitig erhält die Verbindung Longerich S-Bahn - Esch einen 20-Minuten-Takt. Auf dem Abschnitt Ossendorf - Pesch wird vergleichbar verfahren (weiterhin 10-Minuten-Takt durch zwei Linien im 20-Minuten-Takt).
Beide Optimierungspotenziale werden in der Vorlage der Verwaltung nicht berücksichtigt.
Unsachliche Argumente gegen den Rendez-Vous-Verkehr in Chorweiler
In der Verwaltungsvorlage wird das Rendez-Vous der Busse in Chorweiler so dargestellt, als dass es primär der Verbindung der einzelnen Stadtteile untereinander diene. Da die Verkehrsbeziehungen zwischen den Stadtteilen jedoch gering seien, sei das Rendez-Vous nicht zwingend erforderlich. Richtig ist, dass der Hauptgrund für das Rendez-Vous die Abstimmung aller Buslinien auf die S-Bahn ist. Da die S-Bahn alle 20 Minuten verkehrt, müssen die Buslinien zur Herstellung akzeptabler Anschlüsse zwangsläufig nahezu gleichzeitig entsprechend des S-Bahn-Fahrplans den Busbahnhof Chorweiler erreichen und verlassen. Dass sich dabei zusätzlich auch Anschlüsse zwischen den Bussen ergeben, ist ein willkommener Nebeneffekt.
Die Verwaltungsvorlage betont, dass „gute Anschlüsse […] in die Innenstadt absolut prioritär sind“. Da die Stadtbahnlinie 15 gegenüber der S-Bahn aber deutlich langsamer ist und außerdem nicht in die zentrale Innenstadt (Neumarkt, Dom/Hbf) fährt, können gute Anschlüsse nur über die S-Bahn hergestellt werden. Dies bedingt grundsätzlich den 20-Minuten-Takt auf den Zubringerbuslinien. Bei der Abstimmung auf die S-Bahn ergeben sich im übrigen auch gute Anschlüsse an die Stadtbahn, die tagsüber alle 10 Minuten fährt.
Die Behauptung der Verwaltung, der Busbahnhof Chorweiler sei nicht für
einen Rendez-Vous-Betrieb geeignet, was auch im VCD-Gutachten festgestellt
worden wäre, ist unwahr. Laut Verwaltung gäbe es am Busbahnhof
nur 6 Bushalteplätze, tatsächlich stehen aber die benötigten
8 Plätze zur Verfügung. Im VCD-Gutachten wird lediglich ein wünschenswerter
Ausbau aus Attraktivitätsgesichtspunkten angeregt
(Abbruch der Trennwand, Änderung der Beschilderung und Verkehrsführung
ohne Straßenumbau). Dies ist im VCD-Gutachten auch als „wünschenswert"
und nicht als „notwen-dig“ formuliert.
Weitere sinnvolle Umschichtungen des Angebots möglich
Zur Verbesserungen des Busnetzes im Stadtbezirk Chorweiler stehen Möglichkeiten zur Umschichtung des Angebotes mit Netto-Kürzungen in bestimmten anderen Zeitlagen und Fahrtwegen zur Verfügung.
Hierbei ist nach Ansicht des VCD die vorgeschlagene geänderte Anbindung von Feldkassel durchaus vertretbar und kann umgesetzt werden.
Weitere mögliche Einsparungen in den Schwachlastzeiten, z.B. die Einstellung von Teilabschnitten der Linie 121 oder ein Ersatz der Linie 126 zwischen Chorweiler und Esch durch AST sind ebenfalls denkbar.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass das neue Busangebot in Chorweiler
durch die Verwaltung in großen Teilen schlecht geplant ist und dass
die betrieblichen Ressourcen ineffizient eingesetzt werden.
10.04.2006
Markus Meurer, Dipl.Ing. Christoph Groneck, Vorstand VCD Köln