Verlängerung der Stadtbahnlinie 3 in Bocklemünd/Mengenich

Stellungnahme des VCD Köln

vom 12.11.2008

Der VCD Köln begrüßt die Planungen der KVB und der Stadt Köln zur Verlängerung der Stadtbahnlinie 3 in Mengenich. Aus folgenden Gründen sollte dabei die Variante 2.2 (Schumacherring) weiter verfolgt werden:

- Oberste Priorität hat die fußläufige Anbindung möglichst vieler Einwohner bei Berücksichtigung der 10-Millionen-Euro-Kostendeckelung. Dies ist durch die Variante 2 am besten gegeben, und zwar sowohl in Bezug auf den 600 m- als auch auf den 300-m-Einzugsbereich.

- Haltestellenstandorte abseits der Bebauung wie in den Varianten 1, 3 und 4 sind aufgrund mangelnder Sicherheit, Vandalismusgefahr, fehlender Präsenz im öffentlichen Raum und schlechter Zugänglichkeit nach Möglichkeit zu vermeiden. Schlecht integrierte Haltestellen stellen ein Zugangshemmnis für viele Menschen dar. Weniger Fahrgäste und weniger Einnahmen wären die Folge.

- Die Endhaltestelle sollte nach Möglichkeit in der Nähe der Geschäfte am Görlinger Zentrum liegen. Erfahrungsgemäß bedeutet es für die Fahrgäste einen enormen Attraktivitätsgewinn, wenn der Weg zwischen Wohnung und Stadtbahn morgens mit dem Gang z.B. zur Bäckerei und abends z.B. mit Einkäufen gekoppelt werden kann.

- Die Variante 2.1 erscheint aufgrund von zwei hintereinander liegenden Bahnsteigen als städtebaulich problematisch. Zu bevorzugen ist die weitaus kompaktere Variante 2.2, die außerdem eine optische Beeinträchtigung der Kirche vermeidet.

Gleichzeitig regt der VCD an, die Planung in folgenden Punkten zu überarbeiten:

- Die Stadtbahn darf kein Fremdkörper werden. Daher ist eine vorteilhafte Einbindung der Endhaltestelle in die Umgebung sicherzustellen. Dies beinhaltet eine attraktive Gestaltung des Bahnsteiges inklusive Überdachung. Ebenso sind die Fußwege zwischen der Haltestelle und dem Görlinger Zentrum baulich aufzuwerten (direkte Wegeverbindungen, Verbesserung der Ausleuchtung, Grünflächenkonzept).

- Eine mögliche Verlängerung der Stadtbahn in Richtung Pesch sollte planerisch berücksichtigt werden. Dies erscheint bei der Variante 2.2 durchaus möglich, und zwar in Form einer Weiterführung durch den Schumacherring. Bei der Variante 2.1 würde die Positionierung des Bahnsteigs dagegen keine Verlängerung erlauben. Mit vergleichsweise geringen Kosten kann nach Ansicht des VCD bei Verwirklichung der Variante 2.2 inklusive Berücksichtigung der genannten Planungsergänzungen ein großer Mehrwert für die Bewohner von Mengenich erzielt werden. Wesentliche Nachteile gegenüber der ehemals favorisierten unterirdischen Lösung sind für den VCD nicht erkennbar.

Hintergrund:

Traditionell endete die Straßenbahnlinie 3 außerhalb der Bebauung an der Station Bocklemünd in der Nähe des Westfriedhofs. Etwa einen halben Kilometer weiter nördlich findet sich der Ortskern von Bocklemünd und direkt daneben das ehemals ebenfalls rein dörfliche Mengenich. In den sechziger Jahren entstand in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden zusammengewachsenen Dörfer eine neue Großwohnsiedlung. Deren Mittelpunkt ist das Görlinger Zentrum, ein Nahversorgungskern mit umgebender Hochhausbebauung. Zwar sah man bereits beim Bau der Siedlung schon eine Verlängerung der Straßenbahn vor, doch letztendlich passierte nichts und die freigehaltene oberirdische Trasse wuchs mehr und mehr zu.

Bis 1992 wurde die vorher sehr störungsintensive Strecke über die Venloer Straße nach Bocklemünd auf fast kompletter Länge in den Untergrund verlegt. Leider wurde aber auch dieses Tunnelprojekt aber nicht als Initialzündung für einen gleichzeitigen Weiterbau in Richtung Mengenich genutzt. Man baute stattdessen an der alten Endstation Bocklemünd die heutige große Umsteigeanlage und ließ die Stadtbahn weiterhin im Niemandsland enden. Eine große Chance war damit vertan.

Dennoch wurde in den neunziger Jahren dann doch versucht, die Strecke wieder weiterzubauen. Zunächst sollte dafür die freigehaltene Trasse aus den sechziger Jahren benutzt werden. Diese hatte sich aber inzwischen dank fortschreitendem Bewuchs zu einer Art Naherholungsgebiet gewandelt. Im Angesicht von Anwohnerprotesten entschied man sich daher letztendlich dazu, eine neue Streckenführung vorzusehen: drei Stationen, die letzte davon nun aber im Tunnel direkt unter dem Görlinger Zentrum.

Mit dem Schwenk auf diese unterirdische Lösung stiegen natürlich die Kosten, weshalb das Projekt zweigeteilt wurde. Tatsächlich gingen 2002 die beiden ersten Stationen bis zur provisorischen oberirdischen Endstation Ollenhauerring in Betrieb. Der Weiterbau ins Görlinger Zentrum sollte eigentlich direkt im Anschluss erfolgen, wurde dann aber von der damaligen Landesregierung verzögert und schließlich von der aktuellen komplett verworfen. Damit gibt es für die unterirdische Lösung heute zwar Baurecht, aber keine Finanzen.

Im Angesicht dieser unzufriedenstellenden Situation kam letztendlich doch noch die Zusage des Landes, eine Streckenverlängerung finanziell zu fördern - allerdings mit einem Maximalbudget in Höhe von 10 Millionen Euro. Damit ist die Tunnellösung vom Tisch - leider aber auch die ursprüngliche oberirdische Lösung, denn die Einfahrt auf die freigehaltene Trasse wurde mit der Positionierung der Station Ollenhauerring verbaut. Aktuell wird nun versucht, im Rahmen des vorgegebenen Budgets eine tragfähige Lösung zu finden. Dabei haben sich inzwischen vier Varianten herauskristallisiert.